VDMA Allgemeine Lufttechnik: Rückläufige Umsätze für 2020 erwartet

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Auftragseingang trübt sich im Februar ein. Auswirkungen des Corona-Virus erfordern fortlaufende Neubewertung.

Nach einem stabilen Auftragseingang im Januar gingen die Bestellungen im Februar 2020 für Erzeugnisse der Allgemeinen Lufttechnik zurück, so dass das Auftragsvolumen für den Dreimonatszeitraum Dezember bis Februar um 4 Prozent sank.

Rückblickend auf 2019 sorgten neue Produkte sowie Paketlösungen für positive Impulse, so dass die Allgemeine Lufttechnik im letzten Jahr ein Umsatzwachstum von 3 Prozent verbuchen konnte. Ebenfalls trugen zeitlich geschobene Projekte aus dem Vorjahr und eine hohe Auftragsreichweite zur positiven Umsatzentwicklung 2019 bei. Denn ungeachtet dessen, lies eine abgeschwächte Nachfrage nach Erzeugnissen der Branche im 4. Quartal 2019 den Auftragseingang im Gesamtjahr 2019 leicht ins Minus rutschen. Insgesamt sank der Bestelleingang 2019 real um 2 Prozent. Dabei verharrten die Inlandsbestellungen auf Vorjahresniveau. Die Bestellungen aus dem Ausland gingen dagegen um real 5 Prozent zurück.

In einer im November 2019 durchgeführten Blitzumfrage des Fachverbandes für das Folgejahr, rechneten die Unternehmen der Allgemeinen Lufttechnik mit einer Eintrübung der Konjunktur. Erwartet wurde zu diesem Zeitpunkt ein Umsatzrückgang von 2 Prozent für 2020. Die vorangegangene Bewertung ist unter dem Einfluss der absehbaren, jedoch zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht bezifferbaren Folgen des Corona-Virus neu zu betrachten. Eine erste Einschätzung wird die Konjunkturumfrage unter den Mitgliedunternehmen im April 2020 liefern. 

 

Außenhandel

Der Export der Branche wuchs 2019 um 6 Prozent. Insgesamt erreichte die Allgemeine Lufttechnik ein Exportvolumen von 12,1 Milliarden Euro für 2019.

Wichtigstes Abnehmerland waren hierbei die USA mit 1,2 Milliarden Euro (plus 27 Prozent), vor China mit 963 Millionen Euro (plus 7 Prozent), gefolgt von Frankreich, Polen, Tschechien und Italien. Die deutschen Lieferungen nach Großbritannien sanken 2019 geringfügig um 1 Prozent. Die deutschen Ausfuhren nach Russland wuchsen um 14 Prozent.

Die Lieferungen in deutsche Anrainerstaaten wie Frankreich, Polen, die Niederlande, Österreich, Schweiz und Belgien, konnte im Jahr 2019 um 4 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro gesteigert werden. Insgesamt gingen damit 34 Prozent der deutschen Exporte in direkte Nachbarländer.

Die Gesamtausfuhren in die EU, der wichtigsten Abnehmerregion für die deutschen Unternehmen der Branche, kletterten 2019 um 4 Prozent und entsprachen somit 56 Prozent des gesamten deutschen Exportvolumens der Allgemeinen Lufttechnik.

Auch die Gesamteinfuhr von Erzeugnissen der Allgemeinen Lufttechnik nach Deutschland wuchs im Jahr 2019 kräftig um 11 Prozent auf insgesamt 8,9 Milliarden Euro. Davon entfielen auf die EU, mit einem Wachstum von 7 Prozent, allein 5,2 Milliarden Euro. Wichtigstes Lieferland war Tschechien mit 981 Millionen Euro (plus 19 Prozent). Dabei spielen Lieferungen deutscher Auslandstöchter in den heimischen Markt eine wesentliche Rolle. Die Bedeutung regionaler Fertigungsstätten – insbesondere in Übersee – dürfte in der aktuellen Situation sogar zunehmen.   

 

Ausblick

Noch weisen die Auftragsbücher – trotz des leichten Auftragsrückgangs im 4. Quartal 2019 einen überwiegend guten Auftragsbestand auf. Dies ist insbesondere auf die Anlagenbauer mit langen Durchlaufzeiten und die hohe Nachfrage in den Vorjahren zurückzuführen. Jedoch steigt die Anzahl der Firmen, die eine rückläufige Nachfrage spüren. Somit sahen die Unternehmen des VDMA Fachverbandes Allgemeine Lufttechnik zu Jahresbeginn grundsätzlich eine rückläufige Entwicklung der Gesamtbranche für 2020. Diese liegt in einer konjunkturellen Schwächung der Weltwirtschaft unter anderem aufgrund der Belastungen durch Handelskonflikte begründet.

Die Entwicklungen der Teilbranchen weisen deutliche Kontraste auf. So sinkt die Nachfrage aus vielen Bereichen der Industrie. Die Automobilbranche beispielsweise, insbesondere deren Zulieferer, reagieren sofort und drastisch auf die Krise und den Strukturwandel ihrer Branche. Die Nachfrage aus der TGA-Branche ist hingegen unverändert hoch. Teilweise verzeichneten die Unternehmen, die in den Bausektor liefern, Umsatzrekorde.

Durch die Corona-Pandemie werden weitreichende Verwerfungen in der Weltwirtschaft ausgelöst, die zu einer existentiellen Bedrohung der Maschinenbauunternehmen führen kann, sodass aktuell der Fortbestand der Unternehmen gesichert werden muss. Der Maschinenbau unterstützt daher das große Hilfspaket der Bundesregierung. Allerdings muss der Staat jetzt bereits Strategien für das Wiederanspringen der Konjunktur entwickeln. Darüber hinaus muss alles dafür getan werden, den Binnenmarkt funktionsfähig zu halten. Dazu gehört nicht nur der ungehinderte Transport von Waren, sondern beispielsweise auch der grenzübergreifende Einsatz von Servicekräften.

Die Allgemeine Lufttechnik bekommt die Pandemie mit zunehmender Wucht zu spüren. Aktuell berichten 45 Prozent der Unternehmen in der neuesten VDMA-Umfrage von nennenswerten Beeinträchtigungen im Betriebsablauf. Im gesamten Maschinenbau liegt der Anteil sogar schon bei 60 Prozent. Insbesondere sind Lieferungen aus China und Italien betroffen.

Nach Bewältigung der Krise werden die Themen Energieeffizienz und Klimaschutz den Unternehmen weiterhin gute Absatzchancen bieten, vor allem in Verbindung mit den Möglichkeiten und Werkzeugen, die die digitale Transformation bietet.

„Das künftige Marktgeschehen der Allgemeinen Lufttechnik wird sehr stark durch eine zunehmende Digitalisierung geprägt sein. Wegen der Schnittstellen zu einer Vielzahl sehr unterschiedlicher Abnehmerbranchen, bestehen für die Lufttechnik besondere Herausforderungen. Unter anderem in der Baubranche, durch digitale Planungs- und Betriebs-Methoden wie BIM (Building Information Modeling). Gleichzeitig entstehen neue Qualitäten und damit Anforderungen bei Connectivity und Interoperabilität in den Fertigungsprozessen vieler unserer Zielbranchen“, sagt Dr. Thomas Schräder, Geschäftsführer des Fachverbandes Allgemeine Lufttechnik im VDMA. „Damit unsere Branchen als Zulieferer zu den Kernprozessen des Maschinen- und Anlagenbaus wettbewerbs- und zukunftsfähig bleiben, investieren wir aktuell erheblich in die OPC UA-basierte Standardisierung der Kommunikationsinhalte unserer Komponenten und Maschinen“.