Umnutzung von Räumlichkeiten im Gesundheitswesen: Erforderliche Maßnahmen zur Behandlung von COVID-19

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Thomas Kroll ist geschäftsführender Gesellschafter der GKS Klima-Service GmbH & Co. KG und seit 2015 Vorstandsvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Instandhaltung Gebäudetechnik (AIG) im VDMA. Im Interview beantwortet der Experte für Hygiene und Betriebssicherheit raumlufttechnischer Anlagen in Krankenhäusern, Laboren und Gesundheitseinrichtungen, aktuelle Fragen in Zusammenhang mit der neuen VDMA-Informationsschrift "Raumlufttechnische Anlagen in Zeiten von COVID-19 - Empfehlungen für das Gesundheitswesen".

Thomas Kroll, GKS Klima-Service GmbH & Co. KG

Herr Kroll, bereits seit 1977 ist das mittelständische Unternehmen GKS mit circa 70 Mitarbeitern und den Schwerpunkten Krankenhaus-, Universitäts- und Reinraumbereich am Markt. Neben der Instandhaltung zählen die Anlagenbetreuung und die Inbetriebnahme sowie Sanierung lufttechnischer Anlagen zu den Leistungen Ihres Unternehmens.

 Als Experte erhalten Sie in Zusammenhang mit COVID-19 aktuell viele Anfragen. Welche Fragen sind das konkret?

In den Isolierstationen der anfragenden Krankenhäuser können nicht genügend Betten für die Behandlung infektiöser Patienten zur Verfügung gestellt werden. Aus diesem Grund sollen daher Stationen und Räume für infektiöse Patienten oder Verdachtsfälle umgenutzt werden, damit diese dort ambulant, teilstationär oder stationär untersucht und behandelt werden können.

Das bedeutet konkret, dass diese Stationen und Räumlichkeiten den Anforderungen für COVID-19-Patienten angepasst werden müssen. Und auch Operationen von COVID-19 infizierten Personen müssen unter Umständen durchgeführt werden – die OP-Räumlichkeiten also entsprechend hierfür geeignet sein.

Mit Raumumnutzung im Klinikbereich muss man jedoch besonders sensibel umgehen. Das schafft Unsicherheiten, beispielsweise bei der Frage „Was muss hierbei in Bezug auf die Raumlufttechnik beachtet werden“. Hinterfragt werden ebenfalls mögliche Übertragungswege durch die Lüftung, ob die Abscheidegrade der Filter korrekt sind, beziehungsweise welche Wärmerückgewinnungen für die Lüftung von Corona-Stationen geeignet oder auch nicht geeignet sind. Weiterhin wird oft nachgefragt, ob die Druckverhältnisse in den Stationen und Operationssälen geändert werden müssen, sprich, ob eine Operation im Unterdruck stattfinden sollte. Und ganz allgemein kommt auch immer wieder das Thema auf, wie man seine Patienten und Mitarbeiter noch besser schützen kann. 

Aus welchen Bereichen der Krankenhäuser werden diese Fragen an Sie herangetragen?

In der Regel sind das die Hygieniker sowie die technischen Leiter und technischen Angestellten aus dem Bereich Lüftung der entsprechenden Krankenhäuser, die um Hilfe bitten. Es geht dann meist um die Anpassung der Lüftung zur Umnutzung von Stationen und Räumen zur Behandlung von Patienten mit COVID-19.

Und wie unterstützt das neue Informationsblatt diese Betreiber gesundheitstechnischer Einrichtungen, die aktuell weitreichende Entscheidungen treffen müssen, beispielsweise im Hinblick auf eine mögliche Umnutzung von Räumlichkeiten?

Das neue Informationsblatt wurde auf Grundlage der DIN 1946-4:2018-09 erarbeitet. Wichtig ist hierbei eine der Norm entsprechende Luftwechselrate und die entsprechend richtige Luftbilanz – das heißt eine nutzungsbezogene Einstellung von Überdruck, Unterdruck oder ausgeglichenem Druckverhältnis. Die speziellen Anforderungen bei Corona-Fällen werden im Informationsblatt dargestellt.

Der übersichtliche und kurz gefasste Aufbau ermöglicht eine schnelle Aufnahme und Bewertung des Ist-Zustandes und der daraus resultierenden und empfohlenen Maßnahmen zur Umnutzung sowie zur Einleitung und Umsetzung weiterer wichtiger Schritte. All das führt zu einer sicheren Nutzung von lüftungstechnischen Anlagen bei der Versorgung von Corona-Fällen in Krankenhäusern.

Lüftungstechnische Anlagen sind für das Gesundheitswesen von immenser Bedeutung - deren regelmäßige Wartung unabdingbar. Ohne eine gute Instandhaltung ist weder ein sicherer Anlagenbetrieb noch die benötigte Anlagenverfügbarkeit zu gewährleisten. Ergänzend zu der von Ihnen erwähnten Norm, hat die Arbeitsgemeinschaft Instandhaltung Gebäudetechnik (AIG) in der Vergangenheit hierzu wichtige Regelwerke wie das aus acht Teilen bestehende VDMA-Einheitsblatt 24186 „Leistungsprogramm für die Wartung von technischen Anlagen und Ausrüstungen in Gebäuden" entwickelt.

Inwiefern dienen diese Regelwerke als starkes Wissensfundament für den Praxiseinsatz ausführender Fachunternehmen der Instandhaltung in der Gebäudetechnik?

Die Einheitsblätter VDMA 24186 gibt es seit Anfang der 80er Jahre und sie werden regelmäßig an den Stand der Technik angepasst, so dass sie jederzeit aktuell sind. So fand die letzte Überarbeitung 2019 statt.

Im Zusammenhang mit der DIN 1946-4:2018-09 bilden die AIG-Einheitsblätter die Grundlage der Wartung raumlufttechnischer Anlagen im Bereich des Gesundheitswesens. Der Wartungsumfang wird hierin genau definiert und eine Durchführung nach exakt vorgegebener Checkliste ermöglicht. Durch die Einheitsblätter werden Arbeiten von Fachunternehmen, die in der Instandhaltung der Gebäudetechnik tätig sind, vergleichbar.

Diese bewährten VDMA-Einheitsblätter sind von Fachleuten für Fachleute gemacht. Auf dieselbe Expertise konnten wir bei der schnellen Entwicklung des Informationsblattes für COVID-19-Bedingungen zurückgreifen.

 

Die Informationsschriften der Reihe „Raumlufttechnische Anlagen in Zeiten von COVID-19“ sind unter https://klt.vdma.org/ sowie https://aig.vdma.org/ als Download erhältlich.  

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