Corona bringt Licht und Schatten für die Allgemeine Lufttechnik

Betriebe erwarten schwächeres zweites Halbjahr. Gebäudetechnik steht besonders im Fokus. Verbraucher verunsichert – technische Informationen können helfen.

Gute Auftragsbestände helfen den Unternehmen aus der Allgemeinen Lufttechnik bisher durch die schwierigen Corona-Zeiten. Die Produktion ist in vielen Betrieben noch gut ausgelastet. Allerdings ist der Rückgang der Aufträge auch in diesem Fachzweig des Maschinenbaus spürbar und es ist absehbar, dass in drei bis sechs Monaten die Auswirkungen auf die Fertigung zunehmen werden. „Somit wird das zweite Halbjahr in der Allgemeinen Lufttechnik voraussichtlich schwächer ausfallen als die erste Jahreshälfte“, sagte Guntram Preuß, Referent für Marktinformationen im VDMA, anlässlich der diesjährigen Vorstandssitzung des VDMA Fachverbands Allgemeine Lufttechnik.

Der Auftragseingang in der Branche ist im April 2020 gegenüber dem gleichen Vorjahresmonat real um 24 Prozent gesunken. Da die Auftragseingänge im ersten Quartal noch leicht positiv waren (plus 2 Prozent), ergibt sich für die ersten vier Monate 2020 somit ein Orderrückgang von insgesamt 4 Prozent. Ähnlich ist das Bild für den Branchenumsatz: im ersten Quartal sanken die Umsätze um 4 Prozent, für das zweite Quartal rechnen die Unternehmen sogar mit einem Rückgang von insgesamt 9 Prozent. Hinsichtlich des zweiten Halbjahres bestehen Unsicherheiten und unterschiedlichste Aussichten in der Branche. Zusammengefasst sind aktuell für das Gesamtjahr 2020 Umsatzrückgänge von circa 8 Prozent gegenüber 2019 für die Allgemeine Lufttechnik zu erwarten.

Stabil, beziehungsweise weniger betroffen, sind die Gebäudetechnik, der Gesundheitssektor, die Pharma- und die Nahrungsmittelindustrie. Dagegen sind in der Automobilbranche und deren komplexen Zulieferketten die größten Rückgänge zu verzeichnen. Die COVID-19-Krise verstärkt hierbei die bereits bestehende Investitionszurückhaltung aufgrund des strukturellen Umbruchs, in dem sich die Branche befindet. 

Aktuelles Stimmungsbild
Vergleichbar gut durch die Krise kommt bisher das Geschäft der Gebäudetechnik, weil die Corona-Pandemie auch positive Impulse für moderne Klima- und Lüftungstechnologie setzen kann. Das „luftgetragene“ Infektionsrisiko lenkt besondere Aufmerksamkeit auf Luftwechselraten und die effektive Lüftung von Gebäuden. Digitale Methoden und zeitgemäße Regeltechnik können hierbei eine wesentliche Unterstützung bieten. „Technische Informationen seitens des Verbandes und seiner Mitglieder spielen in der aktuellen Situation eine wichtige Rolle, denn auf Verbraucherseite herrscht Verunsicherung. Daher ist es von großem Belang, dass wir gezielt informieren und entsprechende Wissenslücken in Bezug auf moderne Klima- und Lüftungstechnik schließen“, sagte Wolf Hartmann, Vorstandsvorsitzender der LTG AKTIENGESELLSCHAFT.

Ein überwiegend stabiles Inlandsgeschäft hilft der Branche durch die derzeitige Krise, wobei die Unternehmen auf international funktionierende Lieferketten angewiesen sind. „Wir spüren derzeit eine weltweit stärkere politische Einflussnahme auf das internationale Wirtschaftsgeschehen“, bemerkte Christian Weiser, CEO der A-HEAT Allied Heat Exchange Technology AG. Eine Unterstützung durch die Bundesregierung bei der Schaffung internationaler „level playing fields“, das heißt ausgewogener und fairer Wettbewerbsbedingungen im internationalen Handel, gehört daher auch zu den wirtschaftspolitischen Forderungen des VDMA an die Bundesregierung. Ergänzend setzt sich der Fachverband Allgemeine Lufttechnik dafür ein, dass der europäische Dachverband EUROVENT eine klare Internationalisierungsstrategie entwickelt. 

Aufgrund der derzeit geltenden Corona-bedingten Hygienemaßnahmen, fand die Vorstandssitzung als interaktive Webkonferenz statt.

„Die aktuelle Corona-Pandemie bedeutet für uns alle eine noch nie da gewesene Herausforderung. Aber sie zeigt uns gleichzeitig auch die Chance auf, jetzt Richtung Zukunft zu investieren, um die digitale Transformation noch gezielter voranzutreiben“, sagte Dr. Hugo Blaum, Vorstandsvorsitzender des Fachverbandes Allgemeine Lufttechnik.

Gesundheits- und Klimaschutz oben auf der Agenda
Der Fachverband bündelt die Kompetenzen spezialisierter Zuliefererindustrien für zahlreiche Zielbranchen im Maschinenbau, in Handwerk und Gewerbe sowie in der Wertschöpfungskette Bau. „In den Einsatzfeldern für entsprechende Technologien der Lufttechnik haben Nachhaltigkeitsthemen wie Gesundheits- und Arbeitsschutz, Umwelt- sowie Klimaschutz und Energieeffizienz schon immer eine erhebliche Bedeutung“, sagte Dr. Thomas Schräder, Geschäftsführer des Fachverbandes Allgemeine Lufttechnik. Die dazugehörigen Branchen sind daher mit einer hohen Regelwerksdichte vertraut und ebenso in der Entwicklung regelnder Rahmenbedingungen aktiv.

„Wegen zahlreicher unterschiedlicher Schnittstellen zu den Kernprozessen eines großen Zielbranchen-Spektrums stehen also Aufgaben der digitalen Transformation, wie beispielsweise Building Information Modelling - kurz BIM - und der Maschine-Maschine-Kommunikation im Sinne digitaler Vernetzung, grundsätzlich stark im Fokus unserer Branche“, erläuterte Schräder. Die Erwartungshaltung, dass insbesondere die Gebäudetechnik durch den Einsatz digitaler Werkzeuge passgenaue Lösungen für Nachhaltigkeitsthemen, Lebens- und Arbeitsqualität sowie Nutzungsflexibilität entwickelt, sei groß.

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