Infektionsrisiko senken

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Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin veröffentlicht „Fokus zum infektionsschutzgerechten Lüften“.

Für einen wirksamen Infektionsschutz ist regelmäßiges und richtiges Lüften essenziell, stellt jedoch in der kalten Jahreszeit eine große Herausforderung dar. Die Bundesregierung hat daher am 16. September eine "Empfehlung zum infektionsschutzgerechten Lüften" beschlossen. An der Erarbeitung der Maßnahmenempfehlungen war maßgeblich die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) beteiligt. Sie hat jetzt den baua: Fokus "Infektionsschutzgerechtes Lüften – Hinweise und Maßnahmen in Zeiten der SARS-CoV-2-Epidemie" veröffentlicht. Er beschreibt vertiefend die wissenschaftliche Erkenntnislage zum infektionsschutzgerechten Lüften. Zudem gibt er konkrete Handlungsempfehlungen zur Lüftung sowie eine angepasste Ausführung und Betriebsweise von raumlufttechnischen Anlagen.

Sachgerechtes Lüften senkt zusammen mit weiteren Schutzmaßnahmen das Infektionsrisiko. Dies kann bereits durch freies Lüften über Fenster und Türen geschehen. Mit Bezug auf die Arbeitsstättenregel ASR A3.6 "Lüftung" wird beispielsweise ein kontinuierliches Lüften oder eine Stoßlüftung empfohlen. Beim Betrieb von raumlufttechnischen Anlagen können verschiedene Maßnahmen das Infektionsrisiko verringern: So ist der Außenluftanteil durch Anpassung der Betriebsparameter weitestmöglich zu erhöhen. Idealerweise sind Lüftungsanlagen mit 100 Prozent Außenluft zu betreiben. Außerdem können die vorgesehenen regelmäßigen Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten wie etwa Filterwechsel helfen, das Infektionsrisiko zu senken. Des Weiteren kann auch eine Aufrüstung von raumlufttechnischen Anlagen sinnvoll sein, wie beispielsweise durch Einbau höherer Filterklassen bei Umluftführung. Mobile Luftreiniger mit wirksamen Methoden können kurzfristig als ergänzende Maßnahme sinnvoll sein, wenn keine andere Möglichkeit zur Verfügung steht. Sie erfordern einen sachgerechten Einsatz, können jedoch ausreichende Lüftungsmaßnahmen mit Frischluft nicht ersetzen.

In der Praxis sind Lüftungskonzepte, Anlagentechnik und Betriebsweisen sehr verschieden und richten sich an individuellen Anforderungen aus. Zwar ist eine übergreifende Konkretisierung nur eingeschränkt möglich, jedoch gibt der baua: Fokus hierzu grundsätzliche Handlungsempfehlungen. Differenzierte branchenspezifische Beschreibungen durch Unfallversicherungsträger und weitere Beteiligte können hier zusätzliche Unterstützung geben.

Erste Erkenntnisse zur Lüftung als Schutzmaßnahme flossen in die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel der Arbeitsschutzausschüsse beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) ein. Zur Aufarbeitung des Themengebietes wurde unter Federführung der BAuA, begleitet durch das Bundesarbeitsministerium, das Bundesgesundheitsministerium und das Bundeskanzleramt, ein Expertenaustausch durchgeführt. Auch Dr. Thomas Schräder, Geschäftsführer des Fachverbandes Allgemeine Lufttechnik im VDMA, unterstützte die Runde durch die in den VDMA-Arbeitskreisen entwickelte Expertise. Die Empfehlung der Bundesregierung "Infektionsschutzgerechtes Lüften" fasst die Erkenntnisse der Expertenrunde zusammen. Der baua: Fokus greift die in diesem Zusammenhang relevanten Leitfragen auf, erläutert Hintergründe und Zusammenhänge und gibt zudem Hinweise auf geeignete Maßnahmen zum Infektionsschutz durch sachgerechtes Lüften.

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